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Effektiv lernen im Studium

Effektiv lernen im Studium

Allem vorweg: Es gibt nicht die perfekte Lernmethode. Jeder Mensch ist in seiner Aufnahmefähigkeit, Verarbeitung, Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit einzigartig. Es gibt durchaus Techniken, die grundsätzlich zu einem besseren Verständnis oder einer schnelleren Informationsaufnahme führen, doch wer diese Techniken wie gut anwenden kann, ist nicht vorhersagbar. Wir nutzen unsere Sinneswahrnehmungen unterschiedlich intensiv und verarbeiten die aufgenommenen Informationen sehr individuell. Auch die Ausprägung unseres Gedächtnisses ist sehr unterschiedlich. Die im Folgenden beschriebenen Techniken sollen einen Anstoß zur Reflexion des eigenen Lernverhaltens geben und Möglichkeiten aufzeigen, dieses zu optimieren. Lernstrategien können je nach individuellen Bedürfnissen verändert und verbessert werden.

Lern- und Arbeitsplatz einrichten Die richtige Vorbereitung

Bevor Sie überhaupt zu lernen beginnen, sollten Sie Ihren Arbeitsplatz optimieren. Dies sollte ein Platz sein, an dem Sie gerne lernen, wo Sie Ruhe finden und ungestört Ihrem Lernrhythmus folgen können. Alle nötigen Arbeitsutensilien wie Stifte, Papier, Marker, Formelsammlung, die nötigen Bücher (und nur diese), etwas zu trinken und was Sie sonst noch brauchen, sollten vorhanden sein. Sie sollten Ihre Lerneinheit nicht unterbrechen müssen, um vergessene Materialien zu holen – das lenkt Sie nur unnötig ab. Gestalten Sie ihn also nach Ihren ganz individuellen Vorstellungen, es sollten allerdings keine Störfaktoren vorhanden sein, die Sie ablenken. Achten Sie darauf, dass Sie genügend Licht zur Verfügung haben und versuchen Sie, alle Störquellen auszuschalten (z. B. Handy). Für die meisten Studierenden ist das Internet eine verlockende Ablenkungsfalle. Der Wunsch, auch die neuesten Mails und Facebook-Posts gleich zu lesen und zu beantworten, ist besonders groß, wenn die Alternative – zu lernen – nicht sehr verlockend ist. Sie können dem entkommen, indem Sie „Nichterreichbarkeitstage“ einrichten. An diesen Tagen lesen Sie keine persönlichen Nachrichten und gehen auch nicht ans Telefon. Wenn Sie Ihrem Bekanntenkreis im Vorhinein Bescheid geben, werden sich Freunde und Bekannte an Ihrem „Nichterreichbarkeitstag“ mit Nachrichten zurückhalten und Sie verpassen nicht viel. Das erfordert allerdings ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Natürlich können Sie sich auch nur ein paar Stunden Surf-Verbot auferlegen.

Viele kostenlose Add-ons und Programme bieten heutzutage die Möglichkeit, bestimmte Seiten für einen festgelegten Zeitraum zu blockieren, beispielsweise für Windows „Mind the Time“ (Firefox) und „Block Site“ (Chrome) oder die Selfcontrol-App für iOS und Linux. Ist Ihr Arbeitsplatz vollständig eingerichtet, sollten Sie sich an die innere Vorbereitung machen. Machen Sie Ihren Kopf frei, bevor Sie anfangen zu lernen. Streit oder Konflikte, die Ihnen durch den Kopf gehen, lenken Sie nur unnötig ab. Klären Sie nach Möglichkeit alle belastenden Probleme oder verbannen Sie sie auf einen Zettel, den Sie in der Schreibtischschublade verschwinden lassen.

Lern- und Freizeitplanung Zeitmanagement im Studium

Müde oder besonders gestresst lernen ist genauso ineffektiv, wie krank zu versuchen, Lernstoff aufzuarbeiten. Sie sollten möglichst ausgeruht und erholt in die Lernphase gehen. Besonders wichtig ist hierbei, auf den eigenen Biorhythmus zu achten. Finden Sie Ihre perfekte Lernzeit heraus und richten Sie sich danach. Menschen, die im Laufe des Vormittags und am frühen Nachmittag die höchste Konzentration haben, sollten auch zu diesen Zeiten lernen. Abend-Lerner sollten folglich den späten Nachmittag und die Abendstunden nutzen. Statistiken zeigen, dass die meisten Menschen am Vormittag zwischen 9:00 Uhr und 11:00 Uhr sowie am Nachmittag zwischen 17:00 Uhr und 19:00 Uhr am leistungsfähigsten sind. Die Leistungskurve erneuert sich ca. alle 28 Tage bei Frauen, bei Männern schon nach 23 Tagen. Das sind allerdings Werte aus der Forschung, die nicht eins zu eins auf jedermann übertragen werden können. Vielmehr sind es Mittelwerte, die sich aus Tausenden Individualwerten ergeben haben. Genau auf diesen Individualwert sollten Sie während einer Lernphase achten und sich nach ihm richten.

Weiter ist bei der Zeitplanung auf Termine und wichtige Frei-Zeiten zu achten. Planen Sie außerdem Pufferzeiten ein, in denen Sie nacharbeiten können, was Sie in der errechneten Zeit nicht geschafft haben. Brauchen Sie die Pufferzeit nicht zum Lernen, so haben Sie ein wenig mehr Pause – nutzen Sie diese Zeit und geplante Pausen bewusst zur Erholung. Geben Sie sich einen Tag in der Woche frei (sofern die Prüfungsvorbereitung das zulässt), damit sich Ihr Kopf erholen kann. Des Weiteren müssen Sie nicht zwingend auf Ihre Lieblingsserie oder den Besuch von Freunden verzichten. Planen Sie vielmehr um diese Ereignisse herum und sehen Sie diese als Lohn an. Wichtig ist, dass Sie sich angemessen belohnen und sich mit der in Aussicht gestellten Prämie nicht vom Lernen ablenken. Je regelmäßiger Sie lernen, desto größer ist der Lernerfolg, denn der Körper „merkt“ sich die Lernzeiten und stellt sich automatisch darauf ein. Fertigen Sie einen Lernplan an, in den Sie alle Verpflichtungen, Wünsche, Freizeit und die Lerneinheiten eintragen.

Die aktive Lernphase Lerngewohnheiten verbessern

Während Sie lernen, sollten Sie ebenfalls einige Dinge beachten:

  • Trinken Sie ausreichend, das verdünnt Ihr Blut und lässt so eine bessere Durchblutung des Gehirns zu.
  • Sorgen Sie für frische Luft.
  • Machen Sie ausreichend Pausen (alle 20 bis 30 Minuten ca. 5 bis 10 Minuten Pause).
  • Bewegen Sie sich zwischendurch ein wenig (selbst Kaugummi kauen erhöht schon die Lernkapazität).
  • Lernen Sie nicht zu lange am Stück, die Konzentration nimmt nach und nach ab.
  • Stecken Sie sich Teilziele, dann haben Sie immer wieder Erfolgserlebnisse.
  • Gönnen Sie sich Belohnungen: Essen, Freizeit, was Sie möchten!

Bei der Auswahl der Lerninhalte sollten Sie Prioritäten setzen. Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Welches Fach benötigt wie viel Lernaufwand?
  • Welches Fach benötigt wie viel Zeit?
  • Welches Fach wird als nächstes, welches als übernächstes geprüft usw.?

Wenn Sie nun einen Überblick über den Zeitaufwand haben und sich an die Aufteilung der Lernfächer machen, sollten Sie auf Abwechslung achten. Das Gedächtnis arbeitet am besten, wenn man nacheinander verschiedene Bereiche aktiviert.

Der richtige Rhythmus Folgen Sie dem Takt Ihres Biorhythmus!

Lernen Sie rhythmisch: Eine einzige Lernsequenz sollte nicht länger als 15 bis 20 Minuten dauern. Anschließend empfiehlt sich eine fünf- bis zehnminütige Lernpause, während der Sie sich vom Lernstoff lösen und eine kurze Entspannung genießen sollten. Danach lernen Sie wieder für 15 bis 20 Minuten weiter. Machen dann wieder eine Pause usw. Nach etwa zwei Stunden gönnen Sie sich eine etwa 30-minütige Pause, nach der Sie dann einen weiteren zweistündigen Lernblock anschließen können. Lassen Sie während des Lernens keine Störungen zu. Schließen Sie die Tür Ihres Zimmers, damit Sie sich ungestört konzentrieren können. Denken Sie an den Verlauf der Lernkurve! Verlassen Sie Ihren Schreibtisch und gehen Sie laut sprechend in Ihrem Zimmer auf und ab, wenn Sie etwas auswendig lernen müssen. Lassen Sie bei der Bearbeitung von Haus- und Übungsaufgaben im Hintergrund unaufdringliche Musik laufen, die Ihre Stimmung positiv beeinflusst. Belohnen Sie sich nach erfolgreich abgeschlossenen Lernschritten selbst! Überlegen Sie bereits vor dem Lernen, wie die Belohnung aussehen soll.

Bewegung macht den Meister Wer sich bewegt, lernt besser.

Beginnen Sie jede Lernsequenz mit einer kleinen Bewegungsübung. Damit erhöhen Sie Ihre Aufnahmefähigkeit um etwa 20 %. Trainieren Sie das Jonglieren mit drei Bällen. Jonglieren fördert das harmonische Zusammenwirken von rechter und linker Gehirnhälfte, erhöht die Aufnahmefähigkeit sowie das Konzentrationsvermögen und schafft sofortige Entspannung. Schaffen Sie eine positive, ermutigende Lernatmosphäre. Setzen Sie sich selbst nicht unter Druck. Berücksichtigen Sie Ihren persönlichen Lerntyp. Verwenden Sie den visuellen Kanal (Auge, sehen), den auditiven (Ohr, hören) und den kinästhetischen Kanal (fühlen, Bewegung) beim Lernen. Je mehr Lernkanäle Sie ansprechen, desto leichter behalten Sie das Erlernte im Langzeitgedächtnis. Arbeiten Sie auf jeden Fall mit Ihrem bevorzugten Lernkanal.

Aktiv lesen Lesetechniken

Verwenden Sie die Technik des aktiven Lesens, wenn Sie Lernstoff anhand Ihrer Fachbücher oder Lerntexte nacharbeiten. Verschaffen Sie sich zunächst einen groben Überblick über den Inhalt des Texts, z. B. durch Querlesen, Überfliegen oder Lesen der Inhaltsangabe. Lesen Sie dann den Text Absatz für Absatz aufmerksam und in Ruhe durch. Wählen Sie eine Geschwindigkeit, die es Ihnen erlaubt, das Gelesene wirklich zu verstehen. Lesen Sie anschließend jeden Absatz ein zweites Mal und markieren Sie erst jetzt alle für Sie wichtigen Passagen, Signalwörter und Kerngedanken. Versehen Sie dabei den Text mit geeigneten Hinweiszeichen am Rand. Arbeiten Sie Lernstoff anhand Ihrer Fachbücher zu Hause vor, sodass Ihnen wesentliche Inhalte bereits bekannt sind, wenn diese im Unterricht behandelt werden!

Visualisieren mit Wissensbildern Aktivieren Sie Ihr visuelles Gedächtnis!

Verbinden Sie alle abstrakten Begriffe und Definitionen mit bildhaften Vorstellungen. Um die Eindrücke unvergesslich zu machen, sollten Sie auch andere Sinneseindrücke (Geräusche, Gerüche, Geschmack und Gefühl) in Ihre bildhafte Vorstellung mit einfließen lassen. Bauen Sie Eselsbrücken und übertreiben Sie in Ihrer Vorstellung. Denken Sie daran: Je absurder, desto „merk-würdiger“! Fassen Sie den mit der Technik des aktiven Lesens erarbeiteten Stoff kapitelweise in Form einer Mindmap oder eines Clusters zusammen. Achten Sie dabei auf eine saubere Handschrift und ergänzen Sie Ihre Mindmap/Ihr Cluster um Bilder, Grafiken und Skizzen. Damit erreichen Sie eine Visualisierung der wichtigsten Inhalte, die sich so besonders gut in Ihrem Gedächtnis einprägen. Malen oder skizzieren Sie, was Sie aus dem Abstrakten in konkrete Bilder umgesetzt haben. Bedenken Sie dabei: Je absurder und ungewöhnlicher Ihre Skizzen ausfallen, desto „merk-würdiger“ sind sie. Gestalten Sie Lernposter mit Texten, Bildern, ausgeschnittenen Fotos oder Grafiken. Damit unterstützen Sie den visuellen Lernkanal wirkungsvoll und nachhaltig. Gestalten Sie Lernspiele (Puzzle, Memory, Quartett, Pantomime und Gesten, Definitionskarten erstellen etc.), sodass sich Ihre Aufmerksamkeit verschiebt und das Lernen „durch die Hintertür“ stattfinden kann.

Sprechen und Schreiben Lerninhalte laut vorlesen

Sprechen Sie alles, was Sie lernen, laut aus, sodass Sie Ihre eigene Stimme hören. Ihr Unterbewusstsein registriert diese Informationen als bekannt und zu Ihnen gehörig. Vertrauen entsteht. Sprechen Sie wichtige Lerninhalte auf Ihr Smartphone oder einen MP3-Player und hören Sie den selbst aufgesprochenen Lernstoff immer wieder nebenbei, während Sie andere (geistig nicht fordernde) Tätigkeiten ausüben, wie z. B. Joggen, Radfahren, Gartenarbeit. So können Sie auch Wartezeiten, z. B. beim Arzt oder an der Haltestelle, Autofahrten, Bahnfahrten etc. sinnvoll zum Lernen nutzen. Überlegen Sie, wie Sie außergewöhnliche Ereignisse in Ihr Lernprogramm einbauen können. Lernen Sie doch einmal an einem besonderen Ort, sprechen Sie wichtigen Lernstoff ungewöhnlich laut aus usw. Verwenden Sie die Kettenmethode als konkrete Lernhilfe für das Auswendiglernen. Notieren Sie die Kernaussagen Ihrer Lernaufgabe (möglichst mit kleinen Skizzen versehen) in einer Übersicht, die Sie abends kurz vor dem Einschlafen und morgens kurz nach dem Aufwachen im Bett laut lesen. In dieser Phase hoher Aufnahmefähigkeit lernen Sie besonders leicht und wirkungsvoll!

Vom Lerner zum Lehrer Erklären Sie anderen Ihren Lernstoff!

Wer lehrt, der lernt! Vertiefen Sie Ihr Wissen und Ihre Kenntnisse, indem Sie einer anderen Person Ihren Lernstoff erklären. Sofern Sie keinen Lernpartner haben, können Sie sich bei Ihren Erklärungen auch einfach vorstellen, Sie seien der Lehrer, der diesen Stoff unterrichtet. Stärken Sie Ihr Selbstvertrauen, indem Sie sich Ihre Erfolge bewusst machen. Entwickeln Sie ein gesundes, positives Selbstbild, indem Sie sich immer wieder klarmachen: „Ich bin ein talentierter und guter Lerner!“ Arbeiten Sie ab SOFORT täglich mit diesen Selbstbestätigungen.

Denken Sie dabei immer an die wichtigste aller Erfolgsregeln: Handeln Sie!